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Nicht nur Hits vor dem Altar Candida Kirchhoff ist Münchens jüngste Kirchenmusikerin "Candida" ist ein. Theaterstück von George Bernard Shaw und ein Frauenvorname. Im Lateinischen bedeutet er soviel wie "Weißglänzende" oder "Strahlende". Engelsgleiche Tugenden für Münchens jüngste Kirchenmusikerin? "Sicher, ein seltener Name", wiegelt Candida Kirchhoff ab und schwenkt gleich über zu den Fakten: "Meine Probezeit wurde gerade verlängert", wie es von Seiten der Kirchengemeinde scherzhaft hieß. Der Erlöserkirche in Schwabing und all jenen Münchner Kirchenmusikfans, die sich auch gerne mal in die Randzonen des Repertoires vorwagen, wird die Frau also zunächst erhalten bleiben.. Nach Mannheim und Friedberg in Hessen ist München bereits die dritte Position der 31jährigen Musikerin. "In Friedberg war ich vier Jahre lang, und die Kirche dort ist wirklich sehr schön - mitten in der Wetterau ein Dom aus dem 13. Jahrhundert! Aber die Stadt war mir auf Dauer einfach zu klein. Ich bin doch eher ein Großstadtmensch." München kam ihr also wie gerufen, wenngleich sie in dem vergangenen halben Jahr außer dem Marienplatz und dem Zoo (ihrer beiden kleinen Söhne wegen) von der Stadt selbst nicht gerade viel hatte sehen können. Kein Wunder, wenn man seinen Einstand ausgerechnet mit Hector Berlioz' "L'Enfance du Christ" gibt, einem hierzulande nahezu unbekannten Oratorium. "Der Chor der Erlöserkirche ist auf dieses Projekt so phantastisch eingestiegen, die haben mir den Anfang hier wirklich leicht gemacht", schwärmt die junge Musikerin, und auch an die dazugehörigen fünf Pfarrer gewöhne sie sich langsam, zumal sie auf deren Unterstützung zählen könne. Das Aufführen unbekannter Werke - in Münchens Konzertlandschaft und Kirchenmusikszene ein heißes Eisen. "Ich glaube, in Großstädten kann man es sich fast noch weniger erlauben, etwas anderes als Renner wie etwa das Mozart Requiem zu spielen", sagt Candida Kirchhoff. "Einfach wegen der großen Konkurrenz. Da gibt es dann vor Ostern zehnmal die Johannespassion, und immer ist sie ausverkauft. Die Leute wollen doch im Grunde gar nichts anderes hören." Sei es nun das Passionsoratorium von Johann Ernst Bach (wie am vergangenen Sonntag), ein Magnificat von Kuhnau oder die "Arche Noah" von Benjamin Britten - fremde Namen und fremde Epochen bedeuteten in der Kirchenmusik zwangsläufig ein Minusgeschäft". Kirchenmusik - ein Zwitter zwischen Kunst und Gottesdienst? "Normalerweise müßte ich jetzt antworten, das Verhältnis sei ausgewogen. Und mir sind Gottesdienste auch wirklich wichtig. Aber so ein großes Konzert - da fühle ich mich einfach noch mehr gefordert." Vom Stellen der Podeste in der Kirche über die Werbung bis zum Verteilen von Handzetteln: Candida Kirchhoff wird auch diese vermeintlich banalen Dinge stets mit größtem Engagement betreiben - bei der Matthäuspassion (die sie für nächstes Jahr im Auge hat) ebenso wie bei Mozarts großer c-Moll-Messe (Herbst 96). Daß in diesen Plänen bereits erste Spuren lokaler Anpassung stecken könnten, dementiert sie heftig. "Die Matthäuspassion reizt mich schon lange, die habe ich selber noch nie gemacht. Und man muß seine eigenen Vorstellungen ja nicht immer mit dem Holzhammer durchsetzen. Ich bin da ganz offen." Was sie in München bis jetzt wirklich gelernt habe, fügt Candida Kirchhoff lachend hinzu, war, sich zum Gottesdienst "anständig" anzuziehen. "Nach Weihnachten kam ein Pfarrer zu mir und sagte, also das ginge nicht, in der Kirche eine weiße Hose und einen roten Pullover zu tragen. Zuerst habe ich schon ein bißchen geschluckt, aber mittlerweile ernte ich Komplimente, wie gut mir diese oder jene lila Jacke stehe ...!". CHRISTINE LEMKE << zurück
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