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Musik, die in die Candida
Kirchhoff bietet in der Candida Kirchhoff, eine Kirchenmusikerin und Dirigentin in München. Das ist immer noch die Ausnahme – umso mehr, als diese Musikerin nicht die eingefahrenen Wege der Programmgestaltung für ihren Chor und ihr Publikum wählt, sondern auf Risiko und Neugierde setzt. Kirchhoff sieht denn auch kein Problem darin, als Interpretin „ihren Mann“ zu stehen: „Glücklicherweise hat sich in dieser Beziehung in den letzten Jahren einiges geändert. Immer mehr Frauen treten ans Dirigentenpult und werden zunehmend gerade wegen ihrer Impulsivität geschätzt. “ Als Leiterin der Kirchenmusik der Erlöserkirche an der Münchner Freiheit in Schwabing wurde Candida Kirchhoff vor genau sechs Jahren berufen: „Ich kam aus Friedberg in Hessen. Da lag so ziemlich alles, was kirchenmusikalisch angeboten wurde, in meinen Händen. Es war nie schwer, das Publikum zu begeistern, es gab halt keine Auswahl! Hier in München war natürlich alles anders: Unzählige Chöre in unzähligen Kirchen mit unzähligen Kirchenmusikern boten und bieten sehr, sehr gute Kirchenmusik. Ich habe es mir daher zur Aufgabe gemacht, das bestehende breite Spektrum der Kirchenmusik in München durch etwas ausgefallenere, seltener gehörte Werke zu bereichern. Höhepunkte in dieser Hinsicht waren die Kombination von Arnold Schönbergs ,Ein Überlebender aus Warschau‘ mit Brahms’ Requiem oder das Stabat mater von Arvo Pärt in Verbindung mit dem von Antonin Dvorák. “ Das Konzert am Sonntag (Beginn: 19 Uhr), das späte Werke von Max Reger mit dem Requiem von Gabriel Fauré kombiniert, fügt sich in diese Reihe. Fauré schrieb sein Requiem kurz nach dem Tode seines Vaters. Es ist ein ungewöhnlich stilles und sanftes Werk, das ganz ohne den Theaterdonner auskommt, wie man ihn von Berlioz oder Verdi kennt. Herzstück ist das Sopransolo „Pie Jesu“. Kirchhoff hat dafür die junge Arlette Meißner gewonnen, die gerade ihr Konzert- und Opernexamen an der Münchner Musikhochschule abgelegt hat, sich aber auch schon in Opernproduktionen am Prinzenregententheater einen Namen machen konnte. Max Reger war der Erlöserkirche in seiner Münchner Zeit sehr zugetan. Zur Finanzierung der damals neuen Steinmeyer-Orgel an der Südempore gab er ein Benefizkonzert; seine Frau Elsa Reger spendete den Taufstein, der noch immer in der Kirche steht: „Da wir Ende April dieses Jahres den 100. Jahrestag der Grundsteinlegung der Kirche gefeiert haben und das hundertjährige Jubiläum noch bis zum Oktober 2001, dem Jahrestag ihrer Einweihung, weiter begehen, liegt es nahe, dies auch mit Werken von Max Reger zu tun. “ Kirchhoff versteht die erst kurz vor Regers Tod entstandenen beiden ausladenden Lieder für Orchester, Bariton und Chor op. 144 als Versuch eines Oratoriums. Den „Einsiedler“ („Komm Trost der Welt, du stille Nacht . . .“) von Josef von Eichendorff und „Requiem“ von Friedrich Hebbel nannte er (in einem Brief an seinen Verleger Simrock vom 31. August 1915) „mit das Schönste, was ich je geschrieben habe“. Solist für diese anspruchsvollen Orchesterlieder und im Requiem von Fauré ist David Stingl. Der Schüler von Thomas Quasthoff ist im Feld der jungen deutschen Baritone schon fast kein Geheimtipp mehr. Kirchhoff hält vor allem den Schluss von Regers Requiem op. 144 b für aufregend: „Ein gnadenspendender Gott kommt bei Hebbel nicht vor, dennoch unterlegt Reger nach aufwühlenden Passagen und lautmalerischer Auslegung des Textes die Wiederholung des Anfangs ,Seele, vergiss nicht die Toten‘ mit der Choralmelodie ,O Haupt voll Blut und Wunden‘. Dieser Schluss, komponiert während des Ersten Weltkriegs, vermag auch heute anzurühren: leise, aber eindrücklich und nah. “ ANTON SERGL
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