Fürstenfeldbrucker Neuste Nachrichten

Mittwoch, 29. Oktober 2003

 Aktuelle Kritik

Schöpfungsgeschichte zum Jubiläum

‚Sinfonietta Puchheim’ glänzt mit Haydn

Orchester wurde eigens zur Feier des 75-jährigen Bestehens zusammengestellt

Puchheim: Wenn eine Pfarrkirche ihr 75-jähriges Bestehen feiert, ist das – verglichen mit anderen Kirchenbauten – kein besonders hohes Alter. Geprägt wird das Leben um eine Pfarrkirche jedoch von den Menschen, die sich dort zu einer bestimmten Zeit engagieren. Im Rahmen der Festveranstaltungen zum Jubiläum der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Puchheim Ort bildete ein Konzert in der voll besetzten Kirche am Samstag, auf dessen Programm die beiden ersten Teile von Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ standen, einen besonderen Höhepunkt.

Die Pflege ökumenischer Kontakte, die in Puchheim seit vielen Jahren sehr intensiv gelebt werden, wurde mit dem Engagement des Chores der evangelischen Erlöserkirche in München unter Leitung der überzeugend dirigierenden Dekanatskantorin Candida Kirchhoff erneut unter Beweis gestellt.

Beachtlich qualitätsvoll war das eigens für diesen Anlass zusammengestellte Orchester unter dem klangvollen Namen „Sinfonietta Puchheim“, um das sich die Puchheimer Musikerfamilie Overbeck bemüht hatte, und das vielfaches Engagement für die Musik wie für die Pfarrei gleichermaßen zeigte. Als Solisten wirkten Sabine Zimmermann (Sopran als Gabriel), Rudi Schmitz (Tenor als Uriel) und Dirk Driesang (Bass als Raphael) mit.

Die einleitende „Vorstellung des Chaos“ bot in stimmigem Tempo auch den verschiedenen Instrumenten die Möglichkeit, sich zu Wort zu melden. Zum gelungenen Effekt in Chor und Orchester wurde dabei das als Überraschung im Forte komponierte Wort „Licht“, dessen Lautstärke fast den Kirchenraum sprengte.

Eine mächtige, profunde Bassstimme mit klangvoller Tiefe besitzt Dirk Driesang. Rhythmisch präzise meisterte er die Rezitative, wenngleich seine Textdeklamation etwas unter einer nasalen Lautung litt. Der Tenor Rudi Schmitz kam besonders gut mit den volksliedhaften Passagen zu Recht, zum Beispiel in „Nun schwanden vor dem heiligen Strahle“. Sabine Zimmermann verfügt über eine sehr ausgeglichene Sopranstimme, die, leicht ansprechend und im Raum schwingend, die große Arie „Nun beut die Flur“ tonlich veredelte.

Glanzpunkte für Chor, Orchester und Solisten waren die Finalchöre zu beiden Oratoriumsteilen, in denen nicht nur das Solistenterzett aus gleichem Duktus heraus atmete, sondern in denen auch der Chor durch sein eindrucksvolles Durchhaltevermögen die Spannung bis zum letzten Ton hielt. Homogenität im Klang stellte sich jedoch nicht nur in den homophonen Chorpassagen, sondern auch in fugierten Abschnitten (zum Beispiel „Denn erhat Himmel und Erde“) ein.

Lang anhaltender Beifall zum Schluss war die Anerkennung für eine sehr beachtliche Leistung aller Beteiligten, die sich für dieses Projekt zusammengefunden hatten.

KLAUS MOHR

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