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"Frank Martins „Golgotha“ Farbe und Licht Musikalische Stadtteilarbeit zeitigt oft erstaunliche Ergebnisse. Die Erlöserkirche an der Münchner Freiheit macht in dieser Hinsicht immer wieder auf sich aufmerksam. Dort ist die Kirchenmusikerin Candida Kirchhoff tätig. Sie hat den Chor der Gemeinde auf ein beachtliches Niveau geführt, vor allem aber wagt sie Projekte, die zum gewohnten Trott im Kirchenjahr quer stehen. Hierzu gehört auch, dass man sich nun des Passionsoratoriums „Golgotha“ des 1890 in Genf geborenen Frank Martin angenommen hat. Dieses 1948 unter den Eindrücken des Weltkriegs vollendete und von Rembrandts Radierung „Die drei Kreuze“ angeregte Werk ist eine der wesentlichsten Passionskompositionen des 20. Jahrhunderts. Gegenüber der zwei Jahrzehnte später geschriebenen Lukaspassion von Penderecki hat die Komposition von Frank Martin den Vorzug größerer Innigkeit, größerer Betroffenheit. Und letztlich sind die aus dem Inneren heraus leuchtenden, höchst klanginspirierten Sätze wohl auch kompositorisch triftiger als die Clusterkaskaden von Penderecki. Farbe und Licht, das ist es, worauf Martin zielt. Hierin steht er in enger Korrespondenz zu Rembrandts Druck, wo in das Dunkel des Leids geheimnisvoll das Licht der Erlösung dringt. Diese Dualität spiegelt sich auch in der Textauswahl. In Auszüge aus den vier Evangelien sind visionäre Texte aus den Meditationen von Augustinus interpoliert, Texte des Dankes, der Sehnsucht und der Hoffnung. Zwischen diesen Polen richtet sich die Komposition aus, die in die direkte, dissonanzdurchzogene und teilweise asketisch zurückgenommene Schilderung immer wieder Zonen von starker instrumentaler Leuchtkraft schiebt. Das stellt höchste Ansprüche an die Interpreten, gleichwohl überfordert es nicht. Vielleicht ist es auch diese Balance, die Martins Werk so spürbar menschliche Züge verleiht. Der Chor der Erlöserkirche, das Schöneck- Ensemble und die Solisten Jutta Potthoff, Gerhild Romberger, Kevin Conners, Holger Ohlmann und Timo Leonhard Zimmer sorgten für einen nicht zuletzt auch in seiner Glaubensintensität beeindruckenden Gesamteindruck. REINHARD SCHULZ
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