MÜNCHNER KULTUR

Dienstag, 19. März 2002

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"Johannes-Passion"

Überdurchschnittlich

Chor und Orchester der Erlöserkirche an der Münchner Freiheit gehören seit Jahren zu den bemerkenswertesten Ensembles der evangelischen Kirchenmusik in München. Unter Leitung von Candida Kirchhoff stehen Werke von Schönberg und Tippett ebenso auf dem Programm wie die Max Regers, der einst zur „Gemeinde“ zählte. Daneben halten Bachs große Chorwerke den Enthusiasmus der Laienchorsänger wach.

Die Aufführung der Johannespassion legt davon Zeugnis ab. Wenn es um solche Lieblingsstücke geht, kann die Chorleiterin nicht die Sänger vor den Kopf stoßen, die mitsingen wollen. Andererseits ist zu hören, dass Kirchhoffs Interpretationskonzept mit einem kleineren und vor allem in den Männerstimmen weit beweglicheren Chor mehr gedient gewesen wäre. Das fast spätromantisch- statische Tempo des Eingangschors oder des „Wir haben ein Gesetz“-Fugato war wohl der Rücksicht auf die Möglichkeiten ihres Chores geschuldet. Mit den Orchestermusikern erzielt Kirchhoff einen wunderbar sachlichen und farbigen Klang, der die dann doch weit überdurchschnittliche Qualität der Aufführung garantiert. Hinzu kommt das Solistenensemble – junge, engagierte Stimmen, wie sie so derzeit hier nicht zu hören sind. Annette Nödinger und Johannes Scholl (Christus) brauchen eine Weile, um mit der Akustik zurecht zu kommen. Ann- Katrin Naidu und Timo Zimmer bringen bestechend sinnliche Stimmen mit und befreien die Bach-Arien vom Ruch des Exerzitiums. Hubert Nettinger als Evangelist kann es mit großen Vorgängern aufnehmen. Lange Stille nach dem „Ich will dich preisen ewiglich“ des Schlusschorals; ebenso langer Applaus.

ANTON SERGL

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