MÜNCHNER KULTUR

Mittwoch, 11. April 2001

 

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Des Königs Organist

Passionsmusik von Couperin
in der Schwabinger Erlöserkirche

In der Schwabinger Erlöserkirche kann man heute eines der bedeutendsten Werke der französischen Passionsmusik kennen lernen: François Couperins „Leçons de Ténèbres“. Sie umfassen textlich die drei Lesungen der Matutin (zu deutsch: Mette) für Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag. In seiner virtuos angelegten Komposition für zwei Frauenstimmen, Gambe und Continuo vereinigte Couperin diese drei Lesungen in einem Konzert und sah sie für den Mittwochabend vor Gründonnerstag vor. Die Leçons wurden 1712 komponiert und 1715 gedruckt. Couperin hat wohl noch sechs weitere solcher Leçons geschaffen, die allerdings wie zahlreiche seiner Kantatenwerke verloren gegangen sind.

Couperin wurde 1668 in Paris in eine Organistenfamilie hineingeboren. Schon als 17-Jähriger erhielt er das Organistenamt in St. Gervais, das er bis 1723 bekleidete. Bis zu seinem Tod 1733 widmete der kränkelnde Musiker sich dann ganz der Komposition. Neben dem mächtigen Lully brachte es auch Couperin am Versailler Hof zu Ruhm. Von 1693 an war er Hoforganist und einer der Erzieher der Prinzen. Die Neigung des alternden Sonnenkönigs Louis XIV., den religiösen Ritualen wieder einen bedeutenden Platz einzuräumen, wurde schon von Zeitgenossen auch auf Couperins Orgelspiel und geistliche Werke zurückgeführt.

So glanzvoll Couperins Stellung zu Lebzeiten war, nach seinem Tode verschwand seine Musik ganz aus dem Repertoire. Erst durch die Neuausgabe und Klaviertranskription der „Pièces de Clavecin“ durch Brahms und Crysander 1862 kehrte Couperin auf die Notenpulte zurück. Debussy pries ihn. Ravel huldigte ihm in „Le tombeau de Couperin“. Richard Strauss spielte von der „Ariadne“ bis zur späten Couperin-Bearbeitung „Verklungene Feste“ auf das Vorbild von Couperins Programmmusik an. Neben den Triosonaten, den 240 „Pièces de Clavecin“ und den „Concerts Royaux“ gilt es seither, auch die geistlichen Werke Couperins wieder zu entdecken, darunter die zentralen „Leçons de Ténèbres“.

(Erlöserkirche an der Münchner Freiheit, 20 Uhr. Friederike Wagner, Sopran, und Jutta Neumann, Mezzosopran, werden von der Dirigentin Candida Kirchhoff an der Orgel begleitet. Karten an der Abendkasse 20 Mark, ermäßigt zehn Mark.)

ANTON SERGL

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